Texte & Projekte

 

Geburt & Tod Humanität Werke
Individuelle Determination Rausch Little Man (being) wanted
     
     
     
     
     

Geburt & Tod



Reflektion I (Ausschnitte)

...Ich abstrahiere die existentiellen
Elemente von den materiellen Strukturen.

Außerhalb der festgesetzten Schemata
erreiche ich einen Punkt...

Ich entziehe dem Leben
Gegenstände,
Dinge,
Bindungen,
Materie
einschließlich meines eigenen Körpers...
wie ein materieller Existenzzustand
in einem vorgefertigten Kreislauf...

Das Bildende ist ein materielles Element,
sinnlich wahrnehmbar und fühlbar...

(Eleonora Grigiotti)


"Reflektion I" übertragen aus dem
Italienischen von Dr. Luisa Rodhen.

"Es ist..." übertragen aus dem
Italienischen von D. Cassim.

 

Es ist...

Es ist
wo
die Formen
sich selber
verlieren.

Es ist
wo
die Formen und die Volumen
Inhalte
gewinnen.

Es ist
wo,
aus der Materie hinaustretend,
man dem Nichts
begegnet.

Es ist
wo
die Summe Entität
mit der Energie
zusammenstößt.

Es ist
wo
es
ensteht und stirbt.

(Eleonora Grigiotti)

     

Humanität

Mit dem Werkzyklus „Little man (being) wanted“  hat die italienisch-deutsche  Künstlerin und Philosophin Eleonora Grigiotti eine eigenständige Folge von Gemälden, Zeichnungen und Lyrik geschaffen, die seit 1987 ein Sprechen über den Menschen und seine vieldeutige und verwobene Sphäre zum Ausdruck bringt.

Ihre Bilder tragen symbolhafte Darstellungen des Menschen, die ihn in der Dimension variierend zu dem Bildganzen abbilden. Auf diese Weise reflektieren sie Stimmungen und geben dem Betrachter Anlass, sich selbst in diese Stimmungen hineinzuversenken. Sie bieten ihm das changierende Bild seiner Selbst.

Auf jedem der Bilder des Zyklus ist der Mensch dargestellt und dies entweder allein, in einer Gruppe, verstreut, geometrisch geordnet, mit der Natur verbunden, von ihr umschlossen, aktiv oder passiv.
Stets ist er ohne persönliche Merkmale, belassen in seiner Anonymität. Hinter seiner Anonymität verbirgt sich ein Etwas. Das Etwas wird im Bild offenbar. Das Bild wird zum Spiegel, zum Spiegel für den Betrachter. Im Spiegel des Bildes kommt das Etwas ans Licht. Im Licht des Spiegels tritt dieses Etwas in Erscheinung. Als Erscheinendes bekommt es einen Namen, einen Begriff. Der Begriff aber ist das Werkzeug der Sprache. Und die Sprache des Zyklus ist Englisch.

Nichts ansonsten im Werk Eleonora Grigiottis mutet englisch an. Aber Englisch, dass ist die Weltsprache. Sie ist die Sprache der Welt. Diesem Anspruch folgt die linguistische Breite des  „Little man (being) wanted“  Als Titel des Bildzyklus ist er Verweis auf das menschliche Leben im allgemeinen oder auf den Mann im besonderen. Oder aber sie führt auf die Fährte des Feminismus.

Aber: Wir wissen wir es nicht.

Gleichzeitig engt der Titel jedoch die Breite des menschlichen / männlichen Lebens ein und fordert den „Little man“, den kleinen Mann oder den kleinen Menschen. Doch wiederum ist der Weg verstellt.

Ein weiteres Spiel folgt: Worauf ist die Form „being“ zu beziehen? Das Gerundium lässt sich zu beiden Seiten lesen und kann einerseits als „little man being“ – „ein kleiner Mann/Mensch der da ist, lebendig ist“ übersetzt werden oder aber andererseits gelesen werden als: „Little man being wanted“ und somit eine Verstärkung der Forderung herauslesen lassen: 

„Kleiner Mann/Mensch wirklich gesucht“ . Möglich ist beides.Auch spielt die Titelgebung auf die amerikanische Suche nach delinquenten Personen an:

Oben das Bild der gesuchten Person, darunter „Wanted“.

Noch ein Spiel. Niemals haben die Behörden einen „little man“ gesucht. Vielleicht hilft es, sich von dieser behördlichen Vorlage zu trennen und „wanted“ als gewollt zu übersetzen. Lassen wir also das „being“ weg. Das dürfen wir ja, laut Klammer, und sagen: „Kleiner Mensch/Mann gewollt“. Also jedenfalls kein großer und fangen wir an ihn zu suchen. 

Von: Udo Brüssow 2005

     

Werke

Die Arbeiten Eleonora Grigiottis setzen sich mit dem Dasein, mit der Existenz, und mit dem in-der-Welt-Sein des Menschen auseinander. Dieser Themenkreis ontologischer Auseinandersetzung tritt in unterschiedlichen Medien auf, hauptsächlich in der Malerei, der Zeichnung und in der Poesie. Alle drei Weisen dieser künstlerischen Äußerungen wechseln einander ab, entstehen nebeneinander oder begleiten sich von Zeit zu Zeit wechselseitig. Das Wechseln zwischen verschiedenen Medien ist für Eleonora Grigiotti eine Notwendigkeit, die dem schöpferischen Ausgleich dient. Zeichnung, Malerei und lyrisches Werk stehen zueinander in Beziehung und ergänzen sich so zu einem umfassenden Werk.

Eleonora Grigiottis zeichnerische und malerische Arbeiten entziehen sich prinzipiell jeder sprachlichen Beschreibung oder Festlegung. Dabei arbeitet die Künstlerin selbst mit denotativen Operationen, die auf eine verborgene, unbekannte Struktur diskret verweisen. Es entspricht der Arbeitsweise der Künstlerin, dass sie schon früh in ihrem Werk einen Zyklus entwirft, dessen Zeichen die Abstraktion einer menschlichen Figur in der Form eines Pentagramms darstellt. Die Gedichte und Texte stehen parallel zu ihren Werken, wollen diese aber weder inhaltlich erweitern, noch erklären 

In Verweisen auf den Symbolismus, den Surrealismus und Rekursen auf die Epen der Antike sieht Eleonora Grigiotti Erweiterungen der Möglichkeiten ihrer Malerei und ihrer lyrischen Texte. Dabei lässt sie die Zitate dieser folgenreichen künstlerischen Bewegungen mit ihren eigenen subjektiven Erfahrungen verschmelzen und nimmt diese je nach den werkimmanenten Zusammenhängen der einzelnen Arbeit zwischen den verschiedenen Sinnschichten wieder auf. Die Bedeutung des jeweils verwendeten Zeichen, der Symbole, sind der Eintritt in das Werk, während das einzelne Werk selbst den Betrachter durch seine optische und sinnliche Eigenschaft in den Bann zieht. Dieser neue Blick auf die Welt resultiert aus der Beschäftigung mit der Philosophie, der Psychologie, der Geschichte und der Ethnologie.

Grigiottis Werke sind in dieser Hinsicht nicht hermetisch angelegt, aber enthalten auch keine unmittelbaren Botschaften. Vielmehr sind sie äußerst sensible Arbeiten, für die sich der Betrachter Zeit nehmen muss, um sich ihnen zu nähern. In der sinnlichen Erscheinung der Zeichnungen und Gemälde treten Ahnungen und Erinnerungen hervor, die sich zwar der sprachlichen Formulierung entziehen, aber sich dennoch als ein Prägnantes im Moment ihres Wahrnehmens zeigen.

Symbolik

Das zentrale Motiv der von Grigiotti verwendeten Symbole ist das Pentagramm. In seiner  ursprünglichen Bedeutung symbolisiert es die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, sowie den Kosmos der als der alles umfassenden Geist gedeutet wird. Eine zweite Deutung kommt dem Pentagramm als Sinnbild des Menschseins, sein Sein als Mensch. seiner Humanität, zu. Dabei verweist die Anordnung seiner Form mit der nach oben gerichteten Spitze, auf die Humanität, das Menschsein, während die Umkehrung seiner Form mit der Spitze nach unten als das die Humanität gewaltsam Bedrohende gedeutet wird. Eine dritte Vorstellung des Pentagramms vereinigt die Elemente der ersten und zweiten Vorstellung und gründet sich auf die aus der Mystik abgeleitete Annahme, die ein Pentagramm als die Mitte eines magischen Kreises versteht, der gegen die Macht der Dämonen Schutz gewährt. Aus dieser Funktion erklären sich auch die Grundrisse italienischer Festungsanlagen der Renaissance, die neben ihrem symbolischen Gehalt auch strategische Vorteile der Verteidiger gegenüber den Angreifern boten.

Diese in der Form des Pentagramms gegebenen Sinndeutungen bilden die gedankliche Voraussetzung für das Verständnis des künstlerischen Schaffens Eleonora Grigiottis. Im Rückgriff auf die Bedeutungselemente des Pentagramms sind ihre Arbeiten ein einfühlsames Herstellen von verborgenen Gewissheiten, die im Hier und Jetzt ihres Selbstseins als Paradigmen existenzieller Strukturen im Prozess des Werkes heraustreten. Aus diesem Grund hat der einzelne ästhetische Gegenstand für die Künstlerin nur den Schein der Vollendung. Was als vollendete Form oder als Angemessenheit an den Inhalt erscheint, ist für Eleonora Grigiotti nur eine unter immer wieder anderen hervortretenden Sinnstiftungen. Jede ihre Arbeiten ist nicht als eine vorgefasste, in sich ruhende Anschauung hinzunehmen, sondern provoziert über die Symbolik des Pentagramms hinaus eine geistige Bewegung, in der existentielle Strukturen zwar wahrgenommen aber immer nur als eine unter vielen möglichen erkannt werden können.

Bilder

Die Frage nach den existentiellen Bedingungen menschlichen Lebens resultiert bei Eleonora Grogiotti aus dem intensiven Studium der Ethik, deren Wertsetzungen sie in einem auf die Humanität gerichteten und durch sie begründeten Handeln verwirklicht sieht. Auf ein Bild bezogen, bedeutet Handeln für Eleonora Grigiotti sich dem Akt des Malens zu unterwerfen, sich ihm zu übereignen. Sie vollzieht diesen Malakt nicht im Rahmen eines wiederkehrenden Automatismus´, sondern setzt eine Struktur auf die Malfläche, die an Spuren von Schriftzeichen, architektonische Elemente, oder organische Figurationen erinnern. Im Oszillieren zwischen der auf der Malfläche aufgetragenen, abstrakten Struktur und der Präsenz des Pentagramms wird der Betrachter in die Prozessualität des ästhetischen Erlebens des Werkes eingeführt.  Dabei bevorzugt die Künstlerin Farben, deren Konsistenz dem Prozesscharakter des Malens und des Wahrnehmens entgegenkommen. 

Malen ist gleichwohl geistige wie auch körperliche Anstrengung. Das von Eleonora Grigiotti in dem Prozess des Malens in dem Bild Angelegte zeigte eine strukturelle Dichte und expressive Farbigkeit energetischer Formationen, die vordenotative Strukturen offenlegen, und assoziative Anstrengung erfordert. „Das Auge des Künstlers sieht die Welt und was ihr fehlt“ hat Maurice Merleau-Ponty geschrieben und gab damit seiner Überzeugung Ausdruck, dass das künstlerische wie auch das betrachtende Sehen stets die Verblendung der alltäglichen Welt überwinden kann. Ein solches prozessuales Betrachten vollzieht sich als ein Erleben, das nicht aus der jeweils konkreten Lebenswirklichkeit ohne weitere Folgen für deren Verständnis und Bewältigung herausführt, sondern ein Zurückkommen auf die jeweils eigene Individualität im Sich-Einlassen ermöglicht. Dem Sich-Einlassen immanent ist das Anwesend-Sein, das sich im stetigen Hin und Her von Verdunkeln und Lichten als ein Geschehen vollzieht. Im Vollzug des Geschehens schließt sich der Kreis, der im Vorgänglichen des Malens angelegt ist. Der Akt des Malens ist für Eleonora Grigiotti ein Hervortreten-lassen, das in dem Maß an Intensität gewinnt, indem sie es selbst geschehen lässt, d.h., sie es dem Werk als solchem übereignet.

Zeichen und Texte

Am Übergang der Moderne zur Nachmoderne stellen die Vernetzungen aller Lebensprozesse zu einem einheitlichen Gesamtbild der Welt die herkömmlichen Kommunikationsmittel in Frage. Dabei ist das westliche Schriftsystem als ein in Buchstaben abstrahiertes System durch seine extreme Konzentration und Präzision eine ausgezeichnete Basis der intellektuellen und wissenschaftlichen Entwicklung der Neuzeit. Mit dem Beginn der Neuzeit, deren wegweisende Erfindung der Buchdruck war, überwand der Mensch die Beschränkung seines sich im wesentlichen durch Bilder aufbauenden Bewusstseins. In der nun verfügbaren Schriftlichkeit und deren Verbreitungsmöglichkeit stand ihm ein Mittel zur Verfügung, durch das er seine Gedanken, Entdeckungen und Erlebnisse festhalten und zukünftigen Generationen besser überliefern konnte. Voraussetzung dafür war aber auch ein lineares, folgerichtiges und überprüfbares  Denken, um ein Wiederverständnis des schriftlich Fixierten gewährleisten zu können. Im Zuge dessen wurde das bildliche Verfassen der Welt mehr und mehr als zweitrangig angesehen und entsprechend zurückgedrängt.  Durch sich die in unserer Gegenwart vollziehende Vernetzung aller Lebensprozesse untereinander gewinnen aber auch alle auf das Leben bezogenen Äußerungen einen neuen Horizont, in dem sinnliches Erkennen und eine durch Begriffe formulierte Logik gleichwertig zueinander stehen.

Für Eleonora Grigiotti ist es nur folgerichtig, sich nicht ausschließlich des Mediums der Malerei oder des Textes zu bedienen, sondern sich im Hinblick auf das authentisch Präsente des Ausdrucks beider Medien zu äußern. Bereits Arnold Gehlen stellte fest, dass der substanzielle Bestandteil der Kunst „sich in zwei Strömen manifestiert, einem optischen und einen verbalen“. Als ein Verbales legt sich die Lyrik Eleonora Grigiottis wie ein zweiter Rahmen um das Optische des Bildes herum. So regt es den Gedanken an und weist ihn ab, ruft ihn auf und schickt ihn weiter.

Wie das Malen besitzt das Schreiben für Eleonora Grigiotti einen Handlungscharakter und beides ist somit in Hinblick auf ihr bildnerisches Gestalten ähnlich. Dennoch ist die medienspezifische Modalität jeder der beiden künstlerischen Ausdrucksweisen, von denen der ihnen eigene ästhetische Erlebenshorizont abhängt, auf den ersten Blick erhalten geblieben. So ist die Sinndimension des geschriebenen Textes oder das Zeichens des Pentagramms, obwohl dem Bild zugehörig, von der Präsenz der abstrakt strukturierten Dimension des Bildes prinzipiell getrennt. Erst durch das im Bild wirksame Spannungsverhältnis beider Dimensionen  - die Sinndimension des Pentagramms und die Präsenz der abstrakten Bildstruktur -  ergibt sich ein Zustand ästhetischen Erlebens, dessen Charakter als epiphan wahrgenommen wird. Das gilt gleichermaßen für Text und Bild. Beide sind vergleichbar mit den traditionellen Inszenierungsformen des japanischen Theaters No und Kabuki oder den Bühnenanweisungen Calderóns, die ein beständiges „Erscheinen“, „Auftauchen“ oder „Verschwinden“ der Formen fordern und in denen diese  dem Zuschauer „nahe kommen“ um anschließend wieder zurückzuweichen.

Als epiphane Erscheinungsform ist ästhetisches Erleben ein unwiderruflicher und einmaliger Augenblick, der  ständig in immer neuen Konfigurationen erscheint und sich niemals als ein gleicher wiederholt. Dem Erscheinen und seinem gleichzeitigen wieder Erlöschen liegt ein Moment der Macht zugrunde, die im Vollzug des Augenblicks zu Tage tritt. Die jeweilige Aktualisierung der so zu Tage tretenden Macht setzt das Vorhandensein von Gewalt voraus, die im Ereignis ästhetischen Erlebens in die Wahrnehmbarkeit transportiert wird. Das Spannungsverhältnis zwischen der Sinndimension des Pentagramms oder der des Textes  und der Präsenzdimension der abstrakten vordenotativen Bildstruktur lässt in den Bildern Eleonora Grigiottis ein Moment spürbarer Gewalt hervortreten, das als Inhärentes der durch die Symbolik des Pentagramms vermittelten Humanität wahrgenommen wird. 


Von: Udo Brüssow 2005

     

Individuelle Determination

Der Titel, den sich Eleonora Grigiotti für die Ausstellung ihrer Bilder gewählt hat, klingt zunächst verwirrend und leicht theorielastig. Er besagt jedoch nichts weiter, als daß jeder Mensch wesenühaft von den unterschiedlichsten Einflüssen bestimmt und geprägt ist. Bewußt, aber auch unbewußt.

So, wie Tapios einmal sagte, "Malerie kann das sein, was wir selbst sind", so versucht die Künstlerin, malend sich auf die Suche nach ihrem Selbst und eben ihren Determinanten zu begeben. Der informelle, spontane Gestus ist bezeichnend für ihre Art der Malerei.

Für die Künstlerin jedenfalls ist dies jeweils ein Prozeß, die dem Energie nicht nur freigesetzt wird sondern auch an den Betrachter weitergegeben werden kann. Sei es durch den kompositotischen Aufbau und den Rhythmus, durch den Einsatz der Farbe oder sei es durch die unterschiedlichen Texturen, die sie oftmals durch Finger- oder Kammzüge durch die Farbmaterie erzielt.

Skripturale Einsprengsel verweisen zuweilen auf das kognitive Ich aber eben auch auf die "Ecrituro automatique" aus dem Unbewußten. Durch die Art der Abstraktion gewinnen ihre Individuellen Notationen den Charakter einer universellen Formensprache.

Dr. Vielhaber über mein Projekt " Individuelle Determination"

     

Die Ausstellung "Rausch"
in einer Kölner Galerie

Gezeigt werden etwa 20 kleinformatige Bilder (35 x 35 cm), Öl auf Leinwand, Mischtechnik, enstanden in jüngster Zeit. Den Titel "Rausch" hat die Künstlerin während des Arbeitsprozesses entworfen.

Zu den Bildern: statt Harmonie wird auf Kontrast und Opposition gesetzt, wobei Eleonora Grigiotti die Farben in mehreren Ebenen sieht: das komplexe Bild an sich, die momentan wahrgenommene Farbe und jene, die in diesem Bewußtsein dringt. Dies ergibt insgesamt das Prinzip der Dreidimensionalität. Das gleiche Prinzip gilt für sie in der Musik.

Beide erschaffen eine Einheit, die inhaltlich nicht aufzulösen ist. Da in dieser Einheit keinerlei Schema existiert, ist es notwendig - soll etwas Neues geschaffen werden - einen Prozeß des Differenzierens in Gang zu setzen, in diesem Fall den "Rausch".

Im Rausch der (Farb-)Sinne, wie die Ausstellung ursprünglich betitelt war, entstand der Wunsch, Farb-Barrieren zu durchbrechen, Sehgewohnheiten anzugreifen, um andere Spielformen des Lebens und der Phantasie zu finden und letzendlich im Bild festzuhalten.


M. Rupprecht über mein Projekt "Rausch"

     

Little man (being) wanted...

Der Bilderzyklus der "Little man" ist eine eigenständige Serie von Gemälden, Zeichnungen und Lyrik der Kölner Römerin Eleonora Grigiotti. Gleichzeitig ist er seit 1987 durchgehendes Thema und wiederkehrendes Motiv in der ansonsten abstrakten Bildwelt der Malerin.

Die Gemälde in der Tradition der informellen Malerei waren in den letzten Jahren durch strukturelle Dichte, expressive Farbigkeit und eine durch den sichtbaren Schaffensprozeß initiierte Kommunikation mit dem Betrachter geprägt. Energieaustausch und die Anregung zu assoziativer Auseinandersetzung mit eigenen Strukturen und den eigenen Determinanten waren die von der Künstlerin intendierten Wege.

Die Spurensuche in den Bildern Grigiottis konnte Elemente wie architektonische Fragmente, organische Strukturen, Spuren von Schrift oder winzige figurale Elemente zu Tage zu bringen. Ebenso wie in der Musik durch assoziative Klangerinnerungen Emotionen und Gedanken geweckt werden können, schafft die Malerin durch ihre eigene Formenwelt die Möglichkeit, eine innere Reise durch die Denkstrukturen zu unternehmen oder die eigenen eingespurten Wege mit den Bahnen der Künstlerin zu vergleichen. Die Darstellung von inneren Prozessen durch die Mittel der Malerei bleibt immer in eine Gesamtkomposition eingebunden, die alle Gegensätze wieder in eine größere Struktur faßt. Aber auch die einzelnen Bilder korrespondieren miteinander, fügen sich zu bestimmten Farb- (und Emotions-)feldern oder schließen sich gegenseitig aus.

In den Farbexplosionen bewegen sich kleine Figuren, immer weiter reduziert und deshalb immer deutlicher in ihren Bewegungen und ihren Bestrebungen, eigene Pfade zu finden. Für die Künstlerin sind diese Miniatur-Wesen menschliche Grundstrukturen, die Individualität und Bestimmung zugleich verkörpern. Grigiotti selbst vergleicht ihre Kompositionen häufig mit Musik, mit dem Spiel von Harmonie und Dissonanz. Trotz dieser intendierten Sinnhaltigkeit der Gemälde bringt Grigiotti mit den "little man" ein leichtes, spielerisches Element in ihre Bilder, das auch einfach zum Schauen und Genau-Hingucken einlädt. In diesem Jahr ist das kleine Männchen eine Art Zeichen für die Kunst und die Künstlerin geworden - man darf auf weitere Aktionen gespannt sein!

Dr. S. Rother über mein Projekt "Little man (being) wanted